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Gentest Brustkrebs: Ein Blick in die DNA kann Leben retten

Brustkrebs Schleife

"Wissen ist Macht, aber wissen kann auch Angst machen." Nirgendwo trifft dieser Satz mehr zu als beim Thema familiärer Brustkrebs. Seit Angelina Jolie ihre präventive Operation öffentlich machte, wissen wir: Brustkrebs kann vererbbar sein. Aber was genau wird da vererbt? Und sollten Sie sich testen lassen?

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Doch "nur" etwa 5 bis 10 Prozent aller Fälle sind auf eine ererbte genetische Veränderung zurückzuführen. Für die betroffenen Familien ist dieses Wissen jedoch existenziell: Eine Mutation in Risikogenen wie BRCA1 oder BRCA2 kann das Lebenszeitrisiko für Krebs extrem erhöhen - von den üblichen 12% auf bis zu 80%.

Die Verdächtigen: BRCA1 und BRCA2

BCRA steht für "BReast CAncer". Eigentlich sind diese Gene die "Guten". In ihrer gesunden Form sind sie Tumorsuppressoren – sie reparieren DNA-Schäden und hindern Zellen daran, unkontrolliert zu wuchern.

Wenn jedoch eine Mutation (ein "Schreibfehler") in diesen Genen vorliegt, fällt die Reparaturwerkstatt aus. Geschädigte Zellen können sich vermehren und zu Krebs entwickeln.

Gen-Profil

BRCA1

Das "Angelina-Jolie-Gen". Hohes Risiko für frühen Brust- und Eierstockkrebs.

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Gen-Profil

BRCA2

Auch relevant für Männer (Brust/Prostata) und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

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Risiko BRCA1 Mutation

60-80%

Lebenszeitrisiko für Brustkrebs

Risiko BRCA1 Mutation

40-60%

Lebenszeitrisiko für Eierstockkrebs

Unterschied BRCA1 vs. BRCA2: Frauen mit einer BRCA1-Mutation erkranken oft früher (oft schon vor dem 40. Lebensjahr) und haben ein sehr hohes Risiko für Eierstockkrebs. BRCA2-Mutationen gehen ebenfalls mit einem hohen Risiko einher, das aber oft etwas später im Leben manifest wird. Auch Männer mit BRCA2-Mutation haben ein erhöhtes Risiko für Brust- und Prostatakrebs.

Die "neuen" Gene: PALB2, CHEK2, ATM

Die Wissenschaft bleibt nicht stehen. Neben den bekannten BRCA-Genen kennt man heute weitere "Moderate-Risk"-Gene. Mutationen in PALB2 können das Risiko ähnlich stark erhöhen wie BRCA2. CHEK2 und ATM verdoppeln bis verdreifachen das Risiko. Ein modernes "Panel" testet heute meist ein Dutzend Gene gleichzeitig (Multigen-Panel-Analyse).

Wer sollte sich testen lassen?

Ein Gentest ist keine Routinevorsorge für jeden. Er ist sinnvoll, wenn die Familiengeschichte auf eine erbliche Belastung hindeutet. Die deutschen Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs nutzen folgende Kriterien als "Alarmzeichen":

Ein positives Ergebnis – was nun?

Ein positiver Test ("Mutation gefunden") ist ein Schock. Aber es ist keine Krebsdiagnose. Es ist eine Risikovorhersage. Und sie gibt Ihnen den wohl wertvollsten Vorteil im Kampf gegen Krebs: Zeit und Handlungsoptionen.

Option A: Intensivierte Früherkennung

Betroffene nehmen an einem hochintensiven Früherkennungsprogramm teil, das weit über das normale Screening hinausgeht:

Option B: Die prophylaktische Operation

Dies ist der Weg, den Angelina Jolie wählte. Die Entfernung des gesunden Brustdrüsengewebes (Mastektomie) senkt das Erkrankungsrisiko um über 95%. Die Brüste können im gleichen Schritt mit Implantaten oder Eigengewebe wiederaufgebaut werden.

Auch die Entfernung der Eierstöcke (Ovarektomie) wird oft ab dem 40. Lebensjahr empfohlen, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist. Dies senkt nicht nur das Eierstockkrebsrisiko drastisch, sondern halbiert auch das Brustkrebsrisiko (da weniger Hormone produziert werden).

Der Polygenic Risk Score (PRS)

Was ist mit Frauen, die eine familiäre Belastung haben, aber keine BRCA-Mutation? Hier kommt der Polygenic Risk Score ins Spiel. Er betrachtet nicht einen einzelnen "Kaputtmacher", sondern tausende kleine Varianten im Genom, die jede für sich harmlos sind, aber in der Summe das Risiko erhöhen können. Diese Methode ist noch neu, wird aber bald Standard werden, um das individuelle Risiko noch präziser zu berechnen.

Fazit: Keine Angst vor der Wahrheit

Ein Gentest verändert das Leben. Er kann eine Last sein, aber er beendet auch die Ungewissheit. Wer sein Risiko kennt, ist ihm nicht mehr ausgeliefert. Sie können Maßnahmen ergreifen – sei es durch engmaschige Kontrolle oder präventive Schritte –, um gesund zu bleiben.

Wichtig: Lassen Sie sich immer in einem spezialisierten Zentrum für familiären Brustkrebs beraten. Ein "Do-it-yourself"-Test aus dem Internet ist hier fehl am Platz und medizinisch nicht aussagekräftig.

Männer und BRCA: Das vergessene Risiko

Wenn wir über Brustkrebsgene sprechen, denken alle an Frauen. Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss. Auch Männer haben Brustgewebe (wenn auch wenig) und können an Brustkrebs erkranken – das Risiko steigt mit einer BRCA2-Mutation drastisch von 0,1% auf ca. 7%.

Viel relevanter für Männer ist jedoch ein anderes Organ: Die Prostata. Träger einer BRCA-Mutation haben ein deutlich erhöhtes Risiko für ein besonders aggressives Prostatakarzinom, das schon in jungen Jahren auftritt und schnell streut.

Daher gilt: Wenn in einer Familie Brustkrebs gehäuft vorkommt, sollten sich AUCH die Männer testen lassen. Nicht nur für sich selbst (Früherkennung Prostata), sondern auch als "Überträger". Ein Vater gibt sein X- oder Y-Chromosom weiter – aber die BRCA-Gene liegen auf Chromosom 13 und 17. Er kann das Risiko also zu 50% an seine Töchter vererben, "schweigt" aber selbst (Konduktor).

Die psychische Last: "Previvors"

Menschen, die die Mutation haben, aber (noch) keinen Krebs, nennen sich oft "Previvors" (Prä-Überlebende). Sie leben in einem ständigen Wartezustand. Jeder Knoten, jedes Ziehen löst Panik aus.

Die Entscheidung zur prophylaktischen Mastektomie ist brutal schwer. "Soll ich mir gesunde Organe amputieren lassen?" Hier ist psychologische Begleitung essenziell. Selbsthilfegruppen wie das BRCA-Netzwerk bieten hier unschätzbare Hilfe. Der Austausch mit Frauen, die den Schritt schon gegangen sind und glücklich leben, nimmt oft den Schrecken.

FAQ

Zahlt die Krankenkasse den Test?

Ja, wenn die Indikationskriterien (siehe Checkliste oben) erfüllt sind und eine ärztliche humangenetische Beratung stattgefunden hat.

Kann ich den Test auch ohne familiäre Fälle machen?

Ja, als Selbstzahler (Kosten ca. 1.500 - 3.000 €). Die medizinische Aussagekraft ist ohne familiären Hintergrund jedoch oft begrenzt und psychologisch belastend.

Vererben auch Väter das Risiko?

Ja! Das BRCA-Gen liegt nicht auf den Geschlechtschromosomen. Ein Vater kann die Mutation an seine Töchter vererben, auch wenn er selbst nie erkrankt (oder erst spät an Prostatakrebs).

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